AVCO | Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation

Die AVCO ist der Dachverband der österreichischen Risikokapitalgeber und Corporate Finance Dienstleister. Seit mehr als vier Jahren setze ich mich als Mitglied des Vorstands aktiv für Unternehmertum und Kapitalmarkt ein. Ab 1.2.2021 werde ich die Agenden der Geschäftsführung übernehmen, ein guter Zeitpunkt also für ein Memo zum Thema.

Die Ausgangsposition

Nicht erst seit Covid-19 sind Eigenkapitalquoten bei Unternehmen oft zu gering. Hier bedarf es eines Umdenkens bei vielen Unternehmen, um offener gegenüber Miteigentümern zu sein, die einerseits Eigenkapital aber andererseits vor allem auch Expertise und Know-How mit ins Unternehmen einbringen. 
 
Doch ist nicht nur eine Mindset-Veränderung vieler Unternehmer notwendig, ebenso wichtig ist ein liquider und funktionierender (vorbörslicher) Kapitalmarkt. Nur so können wir die Eigenkapitalerfordernisse überhaupt erfüllen. Firmen, die mit Wagniskapital finanziert sind, haben doppelt so viel Eigenkapital und wachsen deutlich schneller. (Quelle: Keuschnigg/Sardadvar 2019, RFTE Studie zu Wagniskapital in Ö)
 
Geringe EK-Quoten führen zu mehr Unsicherheit und Abhängigkeit von staatlichen Förderinstrumenten sowie Fremdkapitalgebern. Eigenkapital bringt Stabilität und bietet bessere Chancen Wachstumsmöglichkeiten zu ergreifen. Mit erfahrenen Miteigentümern zieht zusätzliche Beratung, Kontrolle und professionelle Governance in das Management ein. 
 
Leider ist das Niveau von Private Equity Investitionen in Österreich noch weit weg von der europäischen Spitze. Diese machen nicht einmal 0,2% des BIP aus, es gibt also reichlich Aufholbedarf! Siehe Graphik von Prof. Dr. Christian Keuschnigg.
 

Die Volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity und Venture Capital hat Prof. Keuschnigg in dem umfassenden Bericht Wagniskapital zur Finanzierung von Innovation und Wachstum 2019 erläutert. Ich kann diese Studie wärmstens empfehlen und hoffe, dass politische Entscheidungsträger die Relevanz für die Volkswirtschaft erkennen und Erkenntnisse in Gesetzgebungsprozesse einfließen lassen.

Die Route

Um den Innovations- und Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken, ist ein funktionierender Kapitalmarkt essenziell. Eine ausgeprägte Aktienkultur ist ebenso wesentlich, wie ein gut entwickelter, vorbörslicher Kapitalmarkt. Manche Entwicklungen benötigen Jahre oder sogar Generationen, besonders wenn es um die grundlegende Einstellung zu Eigenkapital, Unternehmertum und Investitionen geht. Die Weiterentwicklung der finanziellen Bildung (financial literacy) wird helfen Bewusstsein zu schaffen. Dieser Prozess ist aber ein langsamer, das muss uns leider bewusst sein. 

Andere Entwicklungen können wir schneller beeinflussen, wie beispielsweise die rechtlichen Barrieren für Unternehmer, Manager und Investoren oder eine Modernisierung der Gewerbeordnung. Ein unterstützendes Regelwerk würde einen großen Beitrag zur Überwindung von Engpässen am Kapitalmarkt leisten. Die AVCO setzt sich dabei insbesondere für ihre Mitglieder und den vorbörslichen Kapitalmarkt ein. Wir wollen auch in Zukunft weiterhin einen offenen Diskurs mit allen Stakeholdern aus Politik, Interessenvertretungen, institutionellen und privaten Investoren, Fondsmanagern und Dienstleistern führen, um den Kapitalmarkt in Österreich gemeinsam weiterzuentwickeln. In letzter Konsequenz ist es das Ziel, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern und den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken.

Und natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Kapitalmarkt und der Wiener Börse essenziell. Der private Kapitalmarkt schafft das Fundament dafür möglichst viele Unternehmen hervorzubringen, die in weiterer Folge die Voraussetzungen für ein Börsenlisting mitbringen. Somit bestehen privat und öffentlich, vorbörslich und börslich nicht nebeneinander sondern miteinander. 

Vertiefende AVCO Ressourcen:

 
 

27. Jänner 2021