Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform für den Mittelstand

Mittelständischen Unternehmen stehen mittlerweile eine Vielzahl von Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung zur Verfügung. Im folgenden Artikel wird anhand von drei erfolgreichen Beispielen auf fremdkapitalbasiertes und eigenkapitalbasiertes Crowdinvesting eingegangen.
 
Die folgenden Unternehmen – Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG, oekostrom AG energy group und Biogena Group Invest AG – finanzieren sich bereits seit zahlreichen Kampagnen und mehreren Jahren über die Crowd. Und dies, wie wir sehen werden, mit signifikanten Summen. 
 
Doch es ist nicht ausschließlich der Finanzierungsaspekt, der für diese Finanzierungsform spricht. Diese Finanzierungsrunden dienen einerseits als Instrument der Kundenbindung und andererseits als Marketing Kampagnen. Alle drei Unternehmen haben es verstanden, die Crowd in den letzten Jahren als Multiplikator und Investor einzusetzen.

FMTG - Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG

FMTG betreibt ca. 30 hochwertige Hotelanlagen in Zentraleuropa und ermöglicht es Crowdinvestor:innen über qualifizierte Nachrangdarlehen in „touristische Infrastrukturprojekte“ zu investieren. Im Rahmen der letzten Kampagne im Oktober 2023 wurden 6% Fixzinsen in Cash oder 8% Fixzinsen in Hotelgutscheinen angeboten. Die Laufzeit der Darlehen beträgt 5 Jahre.
 
Dieses Angebot zeigt einerseits die hohe Verzinsung und andererseits wie Finanzierungen mit Kundenbindung verknüpft werden können. Zusätzlich gab es bei einem Investment ab je EUR 10.000 einen EUR 1.200 Falkensteiner-Gutschein, was die Rendite weiter verbessert.
 
Die FMTG Gruppe hat seit 2017 mit 11 Kampagnen bereits mehr als EUR 60 Mio über die Crowd eingeworben, was das enorme Potenzial von Crowdinvesting für den Mittelstand unterstreicht. Details zu den Kampagnen finden sich auf der FMTG Invest Website.
 
Nachdem diese Darlehen nachrangig ausgestaltet sind, können Investitionen zusätzlich durch Bankkredite unterstützt werden. Für die kapitalintensive Hotellerie mit großen Infrastruktur- und Immobilienprojekten ist Crowdinvesting also eine sinnvolle Beimischung zum Finanzierungsmix.
 
Die bilanzielle Eigenkapitalquote leidet allerdings unter diesem Ansatz, weshalb wir uns im nächsten Beispiel mit dem eigenkapitalbasierten Crowdinvesting beschäftigen.
 

oekostrom AG energy group

Die oekostrom AG errichtet, kauft und betreibt Wind- und PV-Kraftwerke in Österreich, Deutschland und der Slowakei. Zusätzlich verfügt sie über einen starken Vertrieb und zählt mittlerweile über 100.000 Kunden bzw. Zählpunkte.
 
Die Investitionen in PV- und Windparks sind kapitalintensiv. Einerseits werden diese mit Bankkrediten finanziert und andererseits mit dem Eigenkapital der Gesellschaft. Dieses wird durch eigenen Cashflow – das Unternehmen wirtschaftet seit vielen Jahren sehr profitabel – sowie Finanzierungsrunden bereitgestellt. 
 
Seit 2017 wurden in drei Finanzierungsrunden über die Crowd durch Kapitalerhöhungen und die Ausgabe von neuen Aktien knapp EUR 18 Mio eingeworben. Die oekostrom AG schüttet eine regelmäßige – seit Jahren leicht steigende – Dividende an ihre mittlerweile mehr als 3000 Aktionär:innen aus. Diese Gewinnausschüttungen sowie die Möglichkeit, die Aktien über einen internen Handelsplatz zu verkaufen, ermöglichen Investor:innen Rückflüsse ihrer Investitionen.
 
Diese Funktionalität des Aktienhandels über interne Handelsplätze, wie sie auch die WEB Windenergie AG und Windkraft Simonsfeld AG betreiben, ermöglichen Crowdinvestor:innen jederzeitige Liquidität ihrer Investition, was einen deutlichen Vorteil zu herkömmlichen Crowdinvestments darstellt. 
 
[Disclaimer: Der Autor ist seit 2014 Aktionär der oekostrom AG.]

Biogena Group Invest AG

Biogena ist ein österreichisches Familienunternehmen, welches Mikronährstoff-Produkte entwickelt, produziert und vermarktet. Diese werden über eigene Stores in Österreich, international sowie über den eigenen Online-Shop verkauft.
 
Bisher wurden mehr als EUR 15 Mio über die Crowd auf Biogena Invest über mehrere Kampagnen in Form von Nachrangdarlehen, zuletzt mit 8% verzinst und einer Laufzeit von 5 Jahren, aufgenommen. Auch hier werden zusätzlich zahlreiche Vorteile im Biogena Club ab einer Investition von EUR 10.000 gewährt, was wieder das Konzept der Kundenbindung zeigt. 
 
Seit Ende 2020 notiert die Aktie ebenfalls am direct market plus der Wiener Börse. Die anschließende Kapitalerhöhung 2021 war überzeichnet und führte zu einem Emissionserlös von EUR 5,79 Mio.
 
Die Biogena Geschichte zeigt, dass sich Crowdinvesting (über Nachrangdarlehen) und ein Börsengang sowie Aktienemissionen nicht ausschließen, sondern vielmehr komplementär für einen optimalen Finanzierungsmix wirken können.

Fazit

Mittelständische Unternehmen sollten Crowdinvesting als mögliche alternative Finanzierungsmethode für ihr Wachstum anerkennen und sich damit beschäftigen. Besonders B2C Unternehmen profitieren von der erhöhten Sichtbarkeit am Markt und können zusätzlich Elemente der Kundenbindung den Finanzierungsrunden hinzufügen. 
 
Es gibt noch weitere Beispiele von erfolgreichen Kampagnen, wie Neoh (Schokoriegel) oder Rapid Wien (Stadion), die zeigen, dass Wachstumskapital teilweise oder zur Gänze von der Crowd bereitgestellt werden kann.
 
Crowdinvesting ist nur eine von vielen alternativen Finanzierungsformen für Scale-Ups und den Mittelstand. In zukünftigen Artikeln werden wir uns auch mit Factoring, Umsatzbeteiligungen, Genussrechtskapital, Wandeldarlehen, stillen Beteiligungen und tokenisierten Finanzinstrumenten beschäftigen.

24. März 2024